IT-Verantwortliche und CIOs, die Copilot Cowork evaluieren möchten
Compliance- und Datenschutzbeauftragte mit DSGVO-Prüfpflichten
Betriebsräte mit BetrVG §87-Relevanz
Seit gestern ist es offiziell: Microsofts Copilot Cowork steht ab dem 16. Juni 2026 weltweit allen Microsoft-365-Copilot-Kunden zur Verfügung. Was zunächst wie ein weiteres Copilot-Update klingt, ist in Wahrheit ein Paradigmenwechsel – weg vom KI-Assistenten, der Vorschläge macht, hin zum KI-Agenten, der Aufgaben eigenständig erledigt. Das hat konkrete Konsequenzen für Budgets, Betriebsvereinbarungen und Datenschutzstrategien im DACH-Raum.
Was Copilot Cowork tatsächlich kann
Der entscheidende Unterschied: Cowork führt komplexe, lang laufende Aufgaben vollständig durch. Laut Microsoft umfasst das System 13 eingebaute Skills, darunter Word, Excel, PowerPoint, PDF, E-Mail, Kalender, Meetings, Enterprise-Suche und Deep Research. Neu mit dem GA-Start: Browser-Automatisierung – Cowork kann erstmals über Microsoft 365 hinausgehen und mit Websites interagieren. Dazu kommen neun neue Partner-Plugins (Miro, monday.com, Moodys, S&P Global Energy u.a.).
Anwendungsfälle aus der Preview (laut Microsoft, unabhängig nicht verifiziert): Ein Ingenieursteam ließ Cowork Batch-Job-Tabellen bearbeiten und Abhängigkeitsdiagramme generieren. Ein anderes Team verglich knapp 4.000 Dateien über zwei Produktversionen – Arbeit, die Wochen gedauert hätte. Ein Vertriebsleiter erhielt eine priorisierte Liste gefährdeter Chancen mit exakten Follow-ups aus einer stockenden Pipeline.
Das neue Preismodell: Was IT-Budgetverantwortliche wissen müssen
Copilot Cowork bricht mit dem klassischen Per-Seat-Modell. Voraussetzung ist eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz (laut Hersteller ca. 30 EUR/Nutzer/Monat zzgl. MwSt.). Darüber hinaus werden Agentenaufgaben verbrauchsabhängig über Copilot Credits abgerechnet.
Pay-as-you-go: laut Microsoft 0,01 USD (~0,009 EUR) pro Copilot Credit
Aufgaben werden als leicht, mittel oder schwer klassifiziert
Kosten aus vier Faktoren: Modellnutzung, Kontext-Abruf, Tool-Aufrufe, Laufzeit
Prepaid-Pläne für planbare Budgets verfügbar
Frontier-Kunden (30. März bis 16. Juni 2026) werden erst ab 1. Juli 2026 abgerechnet
Administratoren können über das Microsoft-365-Admin-Center Ausgabenlimits festlegen – pro Mandant, Gruppe oder einzelnen Nutzer. Das ist aus Governance-Sicht entscheidend, denn autonome Agenten können je nach Nutzungsintensität deutlich mehr verbrauchen als ein Chat-Assistent.
Multi-Modell-Architektur: Anthropic, OpenAI – und bald DeepSeek?
Zum GA-Start läuft Copilot Cowork laut Microsoft primär auf Anthropic-Modellen – Claude Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Frontier-Kunden können alternativ GPT 5.5 nutzen. Microsoft verspricht 30 bis 40 Prozent Kostenvorteile gegenüber der direkten Nutzung von Claude Cowork mit einem M365-Connector (Herstellerangabe). In Kürze soll außerdem „Cowork 1“ erscheinen – ein Microsoft-eigenes Modell für alltafsägliche Aufgaben zu deutlich niedrigeren Kosten. Laut Axios (16. Juni 2026) erwägt Microsoft zudem eine auf Azure gehostete DeepSeek-V4-Variante.
Die mögliche DeepSeek-Integration wirft geopolitische und Compliance-Fragen auf. Auch wenn Microsoft das Modell auf Azure hostet und Anpassungen verspricht, sollten Unternehmen interne Richtlinien für den Einsatz von Modellen chinesischer Herkunft frühzeitig definieren.
DSGVO und EU AI Act: Was DACH-Unternehmen prüfen müssen
Copilot Cowork operiert innerhalb der bestehenden Microsoft-365-Compliance-Grenzen. Laut Microsoft werden Prompts und Daten nicht zum Training von Foundation-Modellen verwendet. Microsoft 365 Copilot ist nach ISO/IEC 42001, ISO 27001 und DSGVO zertifiziert. Microsoft verpflichtet sich zur Einhaltung des EU AI Acts.
Anthropic ist nicht in Microsofts EU Data Boundary eingebunden. Wenn Copilot Cowork auf Claude-Modelle zurückgreift, kann Datenverarbeitung in den USA stattfinden. Für Unternehmen in der EU, EWR und Großbritannien ist die Anthropic-Integration laut Berichten standardmäßig deaktiviert. IT-Verantwortliche sollten prüfen, ob und wie diese Einstellung in ihrem Mandanten konfiguriert ist – und dies dokumentieren.
Datenschutz-Folgenabschätzung nach DSGVO Art. 35
Bei Copilot Cowork sprechen mehrere Faktoren für eine DSFA-Pflicht: Das System verarbeitet große Mengen personenbezogener Daten, setzt neue KI-Technologien ein, analysiert systematisch Kommunikation und Arbeitsmuster und ermöglicht durch Work IQ eine weitreichende Kontextbildung. Unternehmen sollten vor dem Rollout prüfen, ob eine DSFA nach Art. 35 DSGVO erforderlich ist.
BetrVG §87: Mitbestimmung bei KI-gestützter Arbeitssteuerung
Für Betriebsräte in deutschen Unternehmen ist Copilot Cowork mitbestimmungsrelevant. Da das System Aufgaben eigenständig plant, priorisiert und ausführt – und dabei Arbeitsmuster analysiert – greift §87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (technische Einrichtungen zur Verhaltens- und Leistungsüberwachung). Unternehmen sollten frühzeitig eine Betriebsvereinbarung verhandeln, die Einsatzrahmen, Transparenzpflichten und Datenverarbeitung definiert. Der eingebaute Genehmigungsmechanismus ersetzt nicht die betriebliche Mitbestimmung.
Unsere Einschätzung
Copilot Cowork ist kein inkrementelles Update – es ist die erste ernsthafte Umsetzung von Agentic AI im Microsoft-Ökosystem mit klarer Enterprise-Governance. Dass mehr als die Hälfte der Fortune 500 die Preview genutzt hat (laut Microsoft), zeigt das Marktinteresse. DACH-Unternehmen werden die Technologie kaum ignorieren können.
Das verbrauchsbasierte Preismodell ist eine echte Herausforderung: Anders als Seat-Lizenzen lässt sich der monatliche Aufwand nicht einfach kalkulieren. Wer Cowork intensiv für schwere Aufgaben einsetzt, kann deutlich höhere Kosten akkumulieren als erwartet. Das ist kein Argument gegen die Technologie – aber ein starkes Argument für einen strukturierten Piloten mit klaren Kostengrenzen, bevor der Rollout in der Breite beginnt. Der DSGVO-Vorbehalt bei Anthropic-Modellen ist kein Showstopper, erfordert aber sorgfältige Konfiguration.
1. DSGVO-Check: Prüfen Sie, ob die Anthropic-Integration in Ihrem M365-Mandanten aktiv ist
2. DSFA: Beauftragen Sie eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO vor dem Rollout
3. Betriebsrat: Starten Sie frühzeitig die Verhandlung einer Betriebsvereinbarung gemäß BetrVG §87
4. Budget: Definieren Sie Ausgabenlimits und testen Sie Workloads in einem Piloten
5. DeepSeek: Verfolgen Sie die Entscheidung zu DeepSeek V4 und bereiten Sie interne Richtlinien vor
Häufige Fragen zu Copilot Cowork
Was kostet Copilot Cowork pro Monat?
Copilot Cowork erfordert eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz (ca. 30 EUR/Nutzer/Monat laut Hersteller). Darüber hinaus fallen verbrauchsabhängige Kosten über Copilot Credits an (0,01 USD pro Credit laut Microsoft). Die Gesamtkosten hängen von Intensität und Art der Nutzung ab.
Ist Copilot Cowork DSGVO-konform?
Microsoft positioniert Copilot Cowork als DSGVO-konform. Kritisch ist, ob die Anthropic-Integration aktiv ist – Anthropic ist nicht in der EU Data Boundary. Für EU-Unternehmen ist sie laut Berichten standardmäßig deaktiviert. Eine DSFA nach Art. 35 DSGVO wird vor dem Rollout empfohlen.
Welche KI-Modelle nutzt Copilot Cowork?
Zum GA-Start primär Anthropic-Modelle (Claude Opus 4.8 und Sonnet 4.6). Frontier-Kunden können auch GPT 5.5 nutzen. Microsofts „Cowork 1“ soll in Kürze günstigere Optionen bieten.
Was unterscheidet Copilot Cowork vom bisherigen Copilot?
Bisheriger Copilot liefert Entwürfe auf einzelne Prompts. Cowork führt mehrstufige Aufgaben vollständig aus – Dateiverarbeitung, E-Mail-Versand, Kalenderplanung und jetzt auch Browser-Automatisierung. Der Nutzer genehmigt sensible Aktionen, delegiert die Ausführung aber an den Agenten.
KI-News für Entscheider im DACH-Raum
Keine Buzzwords, keine Vendor-PR – praxisrelevante KI-Analysen für IT-Verantwortliche und Strategen.
Microsoft baut Copilot-Super-App: Ein Produkt für alle KI-Dienste
Microsoft 365 Blog: Copilot Cowork is now generally available (16. Juni 2026)
Microsoft Learn: Copilot Cowork Overview (abgerufen 17. Juni 2026)
Neowin: Microsoft's Copilot Cowork now generally available (16. Juni 2026)
Copilotenschule: Claude in Microsoft Copilot – DSGVO und Aktivierung (Juni 2026)




