Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2026 · Version: 1.0
Redaktionshinweis: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und überarbeitet sowie menschlich redaktionell geprüft. Produktangaben stammen überwiegend aus der Dokumentation und dem Support-Center von Anthropic, ergänzt um eigene Beobachtungen in der Desktop-App am 28. Oktober 2026. Unabhängige Vergleichsdaten liegen nur begrenzt vor. Funktionen können je nach Tarif, Region, App-Version und Freigaben des Unternehmens abweichen. Die Oberfläche im Artikel und im Beitragsbild ist eine schematische Nachbildung, keine Originalansicht.
Besonders veränderlich sind Beta-Status, Verfügbarkeit je Plan, Admin-Schalter und Teilen-Funktionen. Stand der Angaben: 28. Oktober 2026.
In 30 Sekunden
- Der Code-Tab wird zum Arbeitsplatz: In der Claude-Desktop-App laufen dort mehrere Sessions parallel, nebeneinander und als Unter-Sessions, also eigenständige Sessions, die eine steuernde Session startet und die ihr Ergebnis zurückmelden. Programmierkenntnisse sind nicht nötig.
- Neue Bedienelemente: Sections in der Seitenleiste, Split View, Side Chat und die Session Rail, eine Leiste rechts mit Umgebung, Kontext und Änderungen der Session.
- Ergebnisse als Artefakte: Teilbare Dokumente, Präsentationen, Designs oder Dashboards. Docs, Slides und Design sind allgemein verfügbar, Dashboards und Motion in der Beta. Veröffentlicht wird auf einer von Anthropic gehosteten Seite.
- Kontrolle verschiebt sich: Sessions können einander lesen, Projekte laufen in der Cloud, und Mods, die Anthropic bisher nicht dokumentiert, verändern die App. Das gehört in die Freigaberegeln.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
- IT und Datenschutz: Festlegen, welche Arbeit lokal bleibt und welche in Cloud-Sessions oder Projekte darf. Der Modus-Finder hilft bei der Zuordnung.
- Administration: Die Schalter für Desktop, Cloud Sessions, Remote Control und die einzelnen Artefakt-Vorlagen bewusst setzen, insbesondere für externes Teilen.
- Fachbereiche: Zwei Pilotaufgaben wählen und vorher den Ampel-Check durchlaufen.
Wer Claude bisher im Chat genutzt hat, findet im Code-Tab der Desktop-App eine andere Arbeitsweise vor. Statt eines Gesprächsverlaufs gibt es Sessions, die in einem Ordner arbeiten, Dateien verändern, sich gegenseitig Aufgaben geben und Ergebnisse als teilbare Artefakte ablegen. Anthropic hat den Code-Tab im Oktober 2026 deutlich erweitert und zugleich die Artefakt-Vorlagen Docs, Slides und Design aus der Beta geholt. In viel gesehenen YouTube-Tutorials läuft das unter dem inoffiziellen Namen „Claude 2.0“.
Der Name ist Marketing, die Verschiebung dahinter real: Der Code-Tab ist nicht mehr nur ein Werkzeug für Entwickler, sondern der Ort, an dem Anthropic neue Arbeitsfunktionen zuerst ausliefert. Damit ändert sich die Kontrollfrage. Im Chat ging es darum, welche Daten hineindürfen. Im Code-Tab geht es zusätzlich darum, wo die Arbeit läuft und wer das Ergebnis sehen darf.
Die Oberfläche im Überblick
Die Tour führt in zwölf Stationen durch den Code-Tab. Klicken Sie auf eine Nummer oder blättern Sie mit „Weiter“; die hervorgehobene Fläche zeigt, wo die Funktion sitzt.
Der Code-Tab der Claude-Desktop-App
Schematische Nachbildung · Stand 28. Oktober 2026
- Arbeitsbereich
Der Code-Tab
Neben dem Chat ist der Code-Tab der zweite Arbeitsbereich der Desktop-App; Cowork ist in den Chat übergegangen. Claude arbeitet hier in einem gewählten Ordner auf dem eigenen Rechner, per SSH auf einem anderen Rechner oder in einer Cloud-Session. Aufgaben werden in normaler Sprache beschrieben.
Im Unternehmen: Voraussetzung ist ein bezahlter Plan (Pro, Max, Team oder Enterprise). Administratoren steuern den Zugriff über den Schalter „Desktop“ in der Admin-Konsole.
Beleg: Claude Code Docs, Desktop application
- Seitenleiste
Sections und angeheftete Sessions
Sessions lassen sich in benannte Sections sortieren, etwa eine pro Kunde oder Projekt, und wichtige Sessions oben anheften.
Im Unternehmen: Sections ordnen nur die Ansicht. Sie trennen weder Daten noch Rechte, eine Session kann auch Sessions aus anderen Sections lesen.
Beleg: Claude Code Docs (Gruppieren und Sortieren); Sections und Anheften: eigene Beobachtung in der App
- Parallel arbeiten
Unter-Sessions
Eine Session kann weitere Sessions starten. Sie erscheinen darunter und melden ihr Ergebnis zurück, lassen sich aber jederzeit öffnen und direkt weitersteuern. Claude kann andere Sessions auflisten, lesen und ihnen schreiben, standardmäßig die 20 zuletzt aktiven, ohne archivierte und ohne Cloud-Sessions.
Im Unternehmen: Lokale Sessions laufen nur, solange der Rechner wach ist. Vertrauliche Arbeiten gehören in getrennte Ordner und nach Abschluss ins Archiv.
Beleg: Claude Code Docs, „Work across sessions“; Darstellung als Unter-Sessions: eigene Beobachtung
- Cloud
Projekte
Ein Projekt ist eine fortlaufende Unterhaltung, aus der Claude für jede Aufgabe einen eigenen Thread startet, meist als Cloud-Session. Diese Threads arbeiten weiter, wenn der Laptop zu ist; eine Übersicht zeigt, was fertig ist und was auf Sie wartet. Projektanweisungen bis 16.000 Zeichen und ein Projekt-Memory gelten für alle neuen Threads.
Im Unternehmen: Projekte sind eine öffentliche Beta für Pro und Max, nicht für Team oder Enterprise. Hochgeladene Ordner liegen als Kopie in der Cloud.
Beleg: Claude Code Docs, Projects
- Eingabe
Plugins und Befehle
Über das Plus im Eingabefeld werden Plugins hinzugefügt und verwaltet. Befehle mit Schrägstrich steuern die Session, etwa
/context,/compactoder/remote-control. Strg+/ (Mac: Cmd+/) zeigt alle Tastenkürzel.Im Unternehmen: Plugins bringen Skills, Befehle und Werkzeuge mit und gehören in denselben Freigabeprozess wie Browser-Erweiterungen.
Beleg: Claude Code Docs, Desktop application
- Zwischenfragen
Side Chat
Strg+; (Mac: Cmd+;) oder
/btwöffnet neben der laufenden Session einen Side Chat. Er kennt den bisherigen Verlauf, schreibt aber nichts in die Hauptsession zurück, die Arbeit dort läuft weiter.Hinweis: Laut Dokumentation werden Side Chats nicht auf der Festplatte gespeichert. Eines der ausgewerteten Videos stellt das anders dar; maßgeblich ist die Dokumentation.
Beleg: Claude Code Docs, Desktop application
- Überblick
Split View
Alt+Klick (Mac: Option+Klick) auf eine Session oder Rechtsklick und „Open in → Split view“ öffnet sie neben der aktuellen. Strg+Alt+W (Mac: Cmd+Ctrl+W) nimmt sie wieder heraus.
Im Unternehmen: Mehr sichtbare Sessions erleichtern die Kontrolle, erhöhen aber die Last für die Person, die freigibt. Für den Einstieg reichen zwei.
Beleg: Claude Code Docs, Desktop application
- Session Rail
Umgebung und Remote Control
Die Karte zeigt Ordner und Ausführungsort der Session. Der Schalter Remote Control verbindet die lokale Session mit claude.ai/code und den Claude-Apps, sodass sie sich vom Smartphone weiterführen lässt. Eine Einstellung hält den Rechner wach, solange Claude arbeitet; ein zugeklappter Laptop schläft trotzdem.
Im Unternehmen: Remote Control lässt sich in der Admin-Konsole abschalten.
Beleg: Claude Code Docs; Einstellung zum Wachhalten: eigene Beobachtung in der App
- Session Rail
Kontext
Die Karte zeigt, wie voll das Arbeitsgedächtnis der Session ist und, laut einem der ausgewerteten Videos, wie viel davon Memory-Dateien, Skills und Konnektoren belegen.
/contextliefert dieselbe Information im Eingabefeld.Im Unternehmen: Selten genutzte Skills und Konnektoren kosten in jeder Session Kontingent. Regelmäßiges Aufräumen senkt den Verbrauch.
Beleg: Claude Code Docs (Context-Karte, /context); Aufschlüsselung: RoboNuggets-Video (Sekundärquelle)
- Session Rail
Änderungen
Die Karte listet, welche Dateien die Session angelegt oder verändert hat, und ist damit der schnellste Weg, Ergebnisse vor der Weitergabe zu prüfen.
Im Unternehmen: Wer Claude in gemeinsam genutzten Ordnern arbeiten lässt, braucht eine Regel, wer Änderungen prüft, bevor andere damit weiterarbeiten.
Beleg: Claude Code Docs, Session Rail
- Ergebnisse
Artefakte
Docs, Slides, Design, Design systems, Dashboards (Beta) und Motion (Beta): Claude legt Ergebnisse als Artefakte an, die sich kommentieren, im Team teilen und als Link veröffentlichen lassen.
Im Unternehmen: Veröffentlicht wird auf einer von Anthropic gehosteten Seite. Externes Teilen und Einladungen außerhalb der Organisation sind getrennte Admin-Schalter.
Beleg: Anthropic Support, Artifacts admin guide
- Anpassen
Mods
Vorläufig, bisher nicht von Anthropic dokumentiert: Mods ändern Aussehen oder Verhalten der App, etwa eine Leiste mit dem verbleibenden Wochenkontingent über dem Eingabefeld. Man erstellt sie, indem man sie Claude beschreibt.
Im Unternehmen: Die Anthropic-Dokumentation spricht von Plugins, den Begriff „Mods“ verwendet sie nicht. Mods sind ausführbarer Code und brauchen dieselbe Freigabe wie Plugins.
Beleg: eigene Beobachtung in der App; Beispiele: RoboNuggets- und Ben-AI-Video (Sekundärquellen)
Parallel arbeiten: Unter-Sessions oder Projekt?
Die wichtigste Neuerung ist kein einzelnes Bedienelement, sondern die Möglichkeit, Arbeit auf mehrere Sessions zu verteilen. Eine steuernde Session zerlegt etwa eine Kampagne in Landingpage, E-Mail-Serie und Anzeigen, startet dafür je eine Unter-Session und sammelt die Ergebnisse ein. Anders als Subagenten, die einen Auftrag erhalten und nur ein Ergebnis zurückgeben, bleiben Unter-Sessions als eigene Unterhaltungen erhalten. Man kann jederzeit hineinwechseln und korrigieren.
Anthropic bietet dafür zwei Wege, die sich in einer Frage unterscheiden: Muss die Arbeit weiterlaufen, wenn der Rechner aus ist?
| Kriterium | Lokale Session mit Unter-Sessions | Claude-Code-Projekt |
|---|---|---|
| Wo die Arbeit läuft | Auf dem eigenen Rechner oder per SSH | Überwiegend in Cloud-Sessions; einzelne Threads per Remote Control auf dem eigenen Rechner |
| Läuft bei zugeklapptem Laptop weiter | Nein | Ja, für Cloud-Threads |
| Zugriff auf | Lokale Dateien, Skills, Konnektoren und Werkzeuge des Rechners | GitHub-Repositories und hochgeladene Kopien; CLAUDE.md ja, Skills und .mcp.json der Repositories nein |
| Gemeinsame Regeln | Je Ordner, etwa über CLAUDE.md | Projektanweisungen bis 16.000 Zeichen und Projekt-Memory |
| Verfügbarkeit (28.10.2026) | Alle bezahlten Pläne mit Desktop-Zugang | Öffentliche Beta für Pro und Max, schrittweise; nicht für Team und Enterprise |
Für Team- und Enterprise-Kunden stellt sich die Projektfrage vorerst nicht. Sie arbeiten mit lokalen Sessions und, sofern freigegeben, mit einzelnen Cloud-Sessions. Bewährt hat sich eine angeheftete Session als Leitstand, die zusammenfasst, welche Unter-Sessions auf eine Entscheidung warten.
Artefakte: Docs, Slides, Design, Dashboards und Motion
Am 8. Oktober 2026 hat Anthropic laut Fachberichten Docs, Slides und Design aus der Beta geholt und Dashboards sowie Motion als Beta gestartet. Docs und Slides hat AI-Fabrik bereits im Artikel zu Chat und Cowork eingeordnet. Neu ist, dass dieselben Vorlagen im Code-Tab entstehen und dort mit lokalen Dateien und Sessions verbunden sind.
| Vorlage | Wofür | Status und Verfügbarkeit laut Anthropic |
|---|---|---|
| Docs | Dokumente, die Team und Claude gemeinsam lesen, kommentieren und bearbeiten | Allgemein verfügbar; bei Enterprise seit 15. Oktober 2026 standardmäßig an; noch kein Teilen außerhalb der Organisation |
| Slides | Präsentationen mit Design-System, Export nach PowerPoint | Allgemein verfügbar; bei Team und Enterprise standardmäßig an |
| Design und Design systems | Screens, Abläufe und Grafiken als Artboards; Farben, Schriften und Komponenten zentral hinterlegen | Allgemein verfügbar; die eigenständige Seite claude.ai/design endet am 14. Dezember 2026 |
| Dashboards | Diagramme aus Data Warehouse oder verbundenen Apps, mit Abfrage und Aktualisierungszeit je Diagramm | Beta, nur bezahlte Pläne; bei Enterprise standardmäßig aus |
| Motion | Animierte Erklärvideos, per Code erzeugt, Export als MP4 | Beta, nur Team und Enterprise; bei Enterprise standardmäßig aus |
Artefakte können zudem Claude selbst Fragen stellen, etwa über ein Suchfeld in einem Dashboard, mit dem Kollegen ohne Claude-Kenntnisse die Daten befragen. Solche Artefakte lassen sich laut Anthropic nicht über einen öffentlichen Link teilen. Wer Design-Systeme in der eigenständigen Claude-Design-Seite pflegt, sollte sie vor dem 14. Dezember übertragen.
Welcher Modus passt zu welcher Aufgabe?
Die Wahl zwischen Chat, lokaler Session und Projekt folgt drei Fragen: Was soll entstehen, wo liegen die Daten, und muss die Arbeit ohne den eigenen Rechner weiterlaufen?
Modus-Finder: Chat, lokale Session oder Projekt?
Vier Fragen, eine erste Zuordnung. Stand 28. Oktober 2026, keine Kauf- oder Freigabeempfehlung.
1. Was soll entstehen?
2. Wo liegen die Daten?
3. Soll die Arbeit weiterlaufen, wenn der Laptop zu ist?
4. Welcher Plan?
Beantworten Sie alle vier Fragen, um eine Zuordnung zu sehen.
Quellen: Claude Code Docs (Desktop application, Projects), Anthropic Support (Artifacts admin guide). Erste Arbeitshypothese, keine Rechts- oder Sicherheitsfreigabe.
Was Unternehmen regeln sollten
Die neue Oberfläche verschiebt Kontrolle von der einzelnen Unterhaltung auf Sessions, Ablageorte und Erweiterungen. Am stärksten betrifft das die Trennung zwischen Arbeitskontexten.
⚠️ Sessions sehen einander
Eine Session kann andere Sessions auflisten, lesen und ihnen schreiben. Das ist die Grundlage für Leitstand-Sessions, hebt aber die Trennung zwischen Kunden- oder Projektkontexten auf, die viele Nutzer aus dem Chat gewohnt sind. Sections ändern daran nichts. Vertrauliche Arbeiten sollten in getrennten Ordnern laufen und nach Abschluss archiviert werden; archivierte Sessions sind laut Dokumentation ausgenommen.
Die übrigen Risiken lassen sich mit bekannten Instrumenten steuern. Die Tabelle ordnet sie Zuständigen, Prüfschritten und Nachweisen zu.
| Risiko | Verantwortlich | Prüfschritt | Nachweis |
|---|---|---|---|
| Personenbezogene Daten verlassen den Rechner: Cloud-Sessions, Projekte und auch lokale Sessions senden Inhalte an den Modellanbieter | Datenschutz mit IT | Rechtsgrundlage und Auftragsverarbeitungsvertrag mit Anthropic prüfen (Art. 28 DSGVO), Drittlandübermittlung bewerten, Schwellwertprüfung für eine Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35 DSGVO) | Eintrag im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 DSGVO), gegebenenfalls DSFA |
| Ergebnisse werden außerhalb der Organisation sichtbar (öffentliche Artefakt-Links) | Administration mit Fachbereich | Externes Teilen und Einladungen nach außen zunächst ausschalten; Freigabe je Anwendungsfall | Dokumentierte Admin-Einstellung, Liste freigegebener Fälle |
| Sessions lesen einander, Kundenkontexte vermischen sich | Fachbereichsleitung | Getrennte Ordner je Kunde, Archivieren nach Abschluss, keine Leitstand-Session über Kundengrenzen hinweg | Nutzungsregel, Schulungsnachweis |
| Plugins und Mods führen Code in der App aus | IT-Sicherheit | Herkunft, Rechte und Datenzugriffe prüfen wie bei Browser-Erweiterungen; nur freigegebene Erweiterungen zulassen | Freigabeliste mit Version und Datum |
| Übersichten und Leitstand-Sessions machen Arbeitsverhalten sichtbar | Personalabteilung mit Betriebsrat | Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG klären, Zweck und Auswertungen begrenzen | Betriebsvereinbarung oder dokumentierte Abstimmung |
| Beschäftigte nutzen Funktionen, ohne die Datenflüsse zu kennen | Führungskräfte mit Personalentwicklung | Schulung zu Sessions, Freigaben und Teilen (Art. 4 KI-Verordnung) | Schulungsnachweis |
Artefakte fallen laut Anthropic nicht unter das HIPAA-BAA und sind über Drittanbieter-Clouds nicht verfügbar. Technisch helfen die Schalter für Desktop, Cloud Sessions und Remote Control in der Admin-Konsole, verwaltete Einstellungen per MDM, Gruppenrichtlinie oder Konfigurationsdatei sowie eigene Schalter je Artefakt-Vorlage. Die Tabelle ist Orientierung, keine Rechtsberatung; in der Schweiz gelten eigene Regeln.
Prüfpunkte für den Datenschutz: Was Anthropic zusagt und wo Lücken bleiben
- Auftragsverarbeitung: Das Data Processing Addendum von Anthropic gilt für Dienste unter den kommerziellen Bedingungen: Das Unternehmen ist Verantwortlicher, Anthropic verarbeitet als Auftragsverarbeiter nur auf Weisung. Pro und Max ordnet Anthropic dagegen den Verbraucherprodukten zu. Prüfen: Für personenbezogene Daten nur Team oder Enterprise mit DPA einsetzen; damit fallen Projekte, die es nur für Pro und Max gibt, vorerst weg.
- Unterauftragsverarbeiter: Die Liste steht unter anthropic.com/subprocessors. Anthropic kündigt neue Unterauftragsverarbeiter vorab an; widersprochen werden kann innerhalb von 15 Tagen, sonst gilt die Zustimmung. Prüfen: Benachrichtigungen einer verantwortlichen Stelle zuordnen und die Liste mit Stand dokumentieren.
- Drittland und Datenresidenz: Übermittlungen stützt das DPA auf EU-Standardvertragsklauseln (Module 2 und 3) sowie ein britisches und ein Schweizer Addendum; bei Transfer Impact Assessments sagt Anthropic Unterstützung zu. Eine EU-Datenresidenz nennt Anthropic nur für Claude über AWS Bedrock und Google Vertex AI, nicht für die Direktprodukte. Prüfen: Ein EU-Modellanbieter wirkt nur für lokale Sessions. Cloud-Sessions nutzen laut Dokumentation immer die Anthropic-API, und Artefakte sind über Drittanbieter-Clouds nicht verfügbar.
- Technische und organisatorische Maßnahmen: Anhang 2 des DPA nennt unter anderem Mehrfaktor-Anmeldung und SSO, Verschlüsselung mit AES-256 im Ruhezustand und TLS 1.2 oder höher bei der Übertragung, externe Penetrationstests und zentrale Protokollierung. Externe Prüfer auditieren jährlich; SOC-2-Bericht auf Anfrage, Zertifikate im Trust Center. Eigene Audits sind höchstens einmal in zwölf Monaten und auf eigene Kosten möglich. Prüfen: Berichte anfordern und gegen den eigenen Maßnahmenkatalog prüfen.
- Aufbewahrung und Löschung: Enterprise kann eigene Fristen ab 30 Tagen setzen, ohne Einstellung bleiben Daten unbegrenzt gespeichert. Die Fristen erfassen Chats, Projekte und Artefakte, aber nicht Funktionen, die Claude Code in der Cloud ausführen, und keine öffentlich verlinkten Artefakte. Für Modelle der Mythos-Klasse speichert Anthropic Prompts und Ausgaben seit 9. Juni 2026 für 30 Tage zu Sicherheitszwecken, auch bei Zero Data Retention. Nach Vertragsende löscht Anthropic Kundendaten innerhalb von 30 Tagen. Prüfen: Das Löschkonzept um Cloud-Sessions und öffentliche Artefakte ergänzen; beide brauchen eine eigene Regel.
- Datenpannen und Training: Anthropic meldet Datenschutzverletzungen unverzüglich, spätestens innerhalb von 48 Stunden. Daten aus kommerziellen Einsätzen nutzt Anthropic laut eigener Angabe standardmäßig nicht zum Training. Prüfen: Die eigene 72-Stunden-Frist nach Art. 33 DSGVO in den Meldeweg einplanen; der Vorlauf von Anthropic verkürzt sie.
Stand: Data Processing Addendum vom 24. Februar 2025 und Anthropic-Hilfeseiten, abgerufen am 29. Oktober 2026. Die Einordnung ersetzt keine Prüfung durch den Datenschutzbeauftragten.
Hypothetisches Beispiel: Wann eine harmlose Aufgabe Rot ergibt
Ein Kundenservice-Team möchte wissen, welche Reklamationsgründe im letzten Quartal zugenommen haben. Das klingt nach einer unkritischen Auswertung. In der Umsetzung liest die Session aber über einen CRM-Konnektor Tickets mit Namen, E-Mail-Adressen und Freitext. Damit die Arbeit über Nacht weiterläuft, wird sie in eine Cloud-Session verlegt, und das Ergebnis soll als Dashboard-Link an einen externen Dienstleister gehen.
So treffen personenbezogene Daten, eine Ablage in der Cloud und Teilen nach außen zusammen; im Ampel-Check ergibt das Rot. Tragfähig wird die Aufgabe, wenn der Konnektor nur pseudonymisierte oder auf Kategorien reduzierte Daten liefert, die Session lokal läuft und das Ergebnis intern bleibt.
Ampel-Check: Darf diese Aufgabe in den Code-Tab?
Drei Fragen zu Daten, Ablageort und Tragweite. Erste Arbeitshypothese, keine Rechts- oder Sicherheitsfreigabe.
1. Welche Daten verarbeitet Claude?
2. Wo landet das Ergebnis?
3. Was löst das Ergebnis aus?
Beantworten Sie alle drei Fragen.
Vertiefung: Claude Code Enterprise: Betriebsmodelle, Risiken und Pilotplan.
Kritische Einordnung
Die neue Oberfläche löst ein echtes Problem: Wer mit Claude an mehreren Aufgaben arbeitet, verliert im Chat schnell den Überblick. Sections, Split View, Side Chat und Session Rail machen sichtbar, was läuft und was wartet. Das ist ein Fortschritt in der Bedienbarkeit, keiner in der Modellqualität. Ob parallele Sessions bessere Ergebnisse liefern, hängt weiter davon ab, wie gut Aufgaben zerlegt, geprüft und zusammengeführt werden.
Die Videos, die das Update populär gemacht haben, stammen von Anbietern eigener Kurse und Communitys. Sie zeigen nützliche Handgriffe, vermischen aber dokumentierte Funktionen mit eigenen Erweiterungen. Für den Einsatz im Unternehmen zählt, was Anthropic dokumentiert und was die Administration freischalten kann. Bemerkenswert ist die Richtung: Anthropic bündelt Arbeitsfunktionen im Code-Tab und schließt die eigenständige Claude-Design-Seite. Die Desktop-App ist damit kein Update des Chats, sondern ein eigenes Betriebsmodell mit anderen Rechten, Datenflüssen und Schulungsbedarfen.
Quellenlage
- Befehle und Tastenkürzel aus den Videos, die Anthropic nicht dokumentiert, sind hier nicht aufgenommen.
- Zu „Mods“ gibt es keine Anthropic-Dokumentation; die Angaben beruhen auf eigener Beobachtung in der App und den Videos.
- Für Dashboards und Motion nennt Anthropic weder ein Ende der Beta noch Preisänderungen.
Handlungsempfehlung
✅ Checkliste für die Einführung des Code-Tabs
5 Punkte
Der Fortschritt wird nur lokal in Ihrem Browser gespeichert.
Fazit: Mit zwei Pilotaufgaben starten
Der Code-Tab macht aus Claude ein Werkzeug, das mehrere Aufgaben parallel bearbeitet und Ergebnisse direkt als teilbare Dokumente, Präsentationen oder Dashboards ablegt. Für Fachbereiche ist das ein spürbarer Gewinn an Übersicht. Für IT und Datenschutz verschiebt sich die Frage von „Welche Daten dürfen in den Chat?“ zu „Wo läuft die Arbeit, und wer darf das Ergebnis sehen?“. Wer beides vor dem Rollout in den Admin-Schaltern und einer kurzen Nutzungsregel festlegt, kann die neue Oberfläche sofort mit zwei Pilotaufgaben erproben.
Quellen
- Claude Code Docs: Desktop application (abgerufen am 28. Oktober 2026): Session Rail, Split View, Side Chat, Work across sessions, Remote Control, Plugins, Admin-Schalter, Plattformen und Pläne
- Claude Code Docs: Projects (abgerufen am 28. Oktober 2026): Beta-Status, Pläne, Cloud-Threads, Übersicht, Projektanweisungen und Memory, Upload-Grenzen
- Anthropic Support: Artifacts admin guide for Team and Enterprise plans (abgerufen am 28. Oktober 2026): Vorlagen, Verfügbarkeit, Standardwerte, Teilen, Einschränkungen, Termine
- Anthropic: Data Processing Addendum (wirksam ab 24. Februar 2025, abgerufen am 29. Oktober 2026): Rollen, Unterauftragsverarbeiter, Standardvertragsklauseln, Sicherheitsmaßnahmen, Audits, Löschung, Meldefrist
- Anthropic Support: Custom data retention controls for Enterprise plans (abgerufen am 29. Oktober 2026): Fristen, Geltungsbereich, Ausnahmen
- Anthropic Support: Data retention practices for covered models (abgerufen am 29. Oktober 2026): 30-Tage-Aufbewahrung seit 9. Juni 2026
- Claude: Regional compliance (abgerufen am 29. Oktober 2026): Datenresidenz über Cloud-Partner, kein Training mit kommerziellen Daten
- TestingCatalog: Claude launches Dashboards and Motion in beta (Sekundärquelle): Start am 8. Oktober 2026
- RoboNuggets: „Anthropic Just Shipped Claude 2.0“, 27. Oktober 2026 (Video, Sekundärquelle): Funktionsübersicht, Kontext-Karte, Mods
- Ben AI: „Claude 2.0 is Insane (All Updates Explained)“, 25. Oktober 2026 (Video, Sekundärquelle): Funktionsübersicht, Wechsel von Cowork in den Code-Tab
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO): Art. 28 und Art. 35
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung): Art. 4 KI-Kompetenz
Weiterführende Artikel auf AI-Fabrik
- Claude vereint Chat und Cowork: Was Docs und Slides für Unternehmen ändern: die Artefakte aus Sicht des Chats.
- Claude Code Enterprise: Betriebsmodelle, Risiken und Pilotplan: Betriebsmodelle und Pilotplan für Entwicklungsteams.
- Claude Code Agent View: Alle KI-Agenten auf einen Blick steuern: parallele Agenten aus Sicht des Terminals.
- Claude Cowork-Browser: Was Unternehmen jetzt absichern müssen: Absicherung agentischer Browser-Aktionen.
- Claude Memory in Chat und Cowork: was Claude sich merkt und wie man es kontrolliert.



