In 30 Sekunden
- Drei Wege: Amazon Bedrock verarbeitet Anfragen in einer Region, innerhalb einer Geografie oder weltweit. Der Weg steckt in der Modell-ID, die das Team aufruft.
- Das Präfix reicht nicht: AWS warnt selbst davor, sich auf
eu.zu verlassen. Aus London und Zürich schließt das EU-Profil von Claude Sonnet 5.5 auch diese Regionen als Ziel ein. - Der Preis zieht zum globalen Profil: Es ist laut AWS etwa 10 % günstiger. Wer das sperren will, braucht eine eigene Richtlinie.
- Nicht jedes Modell hat einen EU-Weg: Grok 4.7 läuft aus Europa nur global, Mistral Large 3 in der EU nur in Stockholm, Claude Sonnet 5.5 und Nova 2 Lite haben keine In-Region-Option.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
- Plattformteam, diese WocheMit
GetInferenceProfileaus jeder genutzten Quellregion die echten Zielregionen abfragen und dokumentieren. - Cloud-Governance, vor dem PilotGlobale Profile per Service Control Policy sperren, wenn der Einsatz EU-Verarbeitung verlangt.
- Datenschutz und Betrieb, im PilotAus CloudTrail das Feld
inferenceRegionstichprobenartig gegen die Freigabe prüfen und den Speichermodus je Region festhalten.
„Wir nutzen Frankfurt“ ist eine naheliegende Antwort auf die Frage nach dem Datenort. Bei Bedrock beschreibt das nur, von wo die Anfrage ausgeht. Dieser Beitrag richtet sich an Plattform- und Cloud-Teams, die Bedrock in einer bestehenden AWS-Landschaft einführen, und an den Datenschutz, der die Freigabe gibt. Sinnvoll anfangen lässt sich mit einem einzigen Modell, das im Pilot wirklich gebraucht wird.
Der Datenort ist bei Bedrock eine Eigenschaft jedes einzelnen Modellaufrufs. Eine Freigabe sollte deshalb Modell-ID, Quellregion und Zielregionen nennen und nicht nur „EU“. Nur dann lässt sich später belegen, was genau genehmigt wurde.
Wie Bedrock eine Anfrage routet
Bedrock bündelt Modelle von Amazon und anderen Anbietern hinter einer AWS-Schnittstelle; Rechte und Abrechnung laufen über das AWS-Konto. Die AWS-Dokumentation unterscheidet drei Optionen. In-Region bleibt in einer Region. Ein geografisches Inferenzprofil, also eine von AWS definierte Liste von Regionen für ein Modell, verteilt innerhalb einer Geografie. Ein globales Profil verteilt auf unterstützte kommerzielle Regionen weltweit.
Redaktionelle, schematische Darstellung auf Basis der AWS-Dokumentation, kein Produkt-Screenshot.
Laut AWS bleiben die Daten dabei im AWS-Netz und sind zwischen den Regionen verschlüsselt. Quell- und Zielregion können auseinanderfallen, auch in Regionen, die das Konto nicht manuell aktiviert hat. Die wichtigste Warnung steht im selben Dokument: Bei Vorgaben zum Datenstandort soll man GetInferenceProfile aus jeder Quellregion aufrufen und die Zielregionen prüfen, statt sich auf das Präfix zu verlassen.
Welches Modell aus Frankfurt welchen Weg hat
Die Unterschiede sind groß und ändern die Modellwahl. Vier Beispiele aus den Modellkarten:
| Modell | In-Region Frankfurt | EU-Profil | Global |
|---|---|---|---|
| Amazon Nova 2 Lite | Nein | Ja, Ziele Frankfurt, Stockholm, Mailand, Spanien, Irland, Paris | Ja |
| Claude Sonnet 5.5 | Nein | Ja, dieselben sechs Ziele; aus Zürich und London zusätzlich die jeweilige Quellregion | Ja |
| Mistral Large 3 | Nein; in Europa nur Stockholm und London | Nein | Nein |
| Grok 4.7 | Nein | Nein | Ja, aus Europa der einzige Weg |
Eigene Zusammenfassung der AWS-Modellkarten, Stand 7. November 2026. Die Auswahl ist beispielhaft und keine Empfehlung.
Für Schweizer und britische Einheiten ist die Zeile zu Claude Sonnet 5.5 die entscheidende: Das Präfix heißt eu., das Ziel kann aber aus Zürich auch Zürich und aus London auch London sein. Aus Frankfurt liegen alle sechs Ziele in EU-Staaten, die Schweiz und das Vereinigte Königreich gehören dagegen nicht zur EU. Das mag fachlich erwünscht sein, muss aber in Freigabe und Transferprüfung richtig stehen. Geografische Listen ändern sich laut AWS nicht, neue Regionen kommen als neues Profil; globale Listen können dagegen wachsen.
Kosten und Durchsetzung
Globale Profile sind laut AWS bei Ein- und Ausgabe-Tokens etwa 10 % günstiger als geografische. Für Grok 4.7 etwa nennt die Modellkarte im Standard-Tarif 2,00 US-Dollar Eingabe und 6,00 US-Dollar Ausgabe je Million Tokens global, gegenüber 2,20 und 6,60 US-Dollar im US-Profil. Ein zusätzliches Routing-Entgelt gibt es nicht; maßgeblich ist die Quellregion. Die Ersparnis ist real, aber klein genug, um sie bei personenbezogenen Daten nicht zum Entscheidungskriterium zu machen.
Durchsetzen lässt sich das zentral. AWS dokumentiert eine Service Control Policy, die globale Profile über die Bedingung aws:RequestedRegion mit dem Wert unspecified sperrt. Umgekehrt scheitern Anfragen über ein EU-Profil, wenn eine Region-Sperre auch nur eine Zielregion blockiert, sofern keine Ausnahme für das Profil gesetzt ist. Plattformteams sollten das vor dem Pilot testen, sonst sieht es wie ein Modellausfall aus.
Was nach der Anfrage gespeichert bleibt
Modellanbieter haben laut AWS keinen Zugriff auf Bedrock-Protokolle und Prompts. Das heißt aber nicht, dass nichts aufbewahrt wird. Die Datenaufbewahrung wird über Modi gesteuert. Nur none garantiert laut AWS, dass nichts dauerhaft gespeichert wird; Modelle, die Aufbewahrung verlangen, lehnen Anfragen dann ab. Im Modus default kann AWS Daten zu Sicherheits- und Missbrauchszwecken aufbewahren, und in der Responses API steht store dort standardmäßig auf true. Auch store=false garantiert laut AWS keine Null-Speicherung.
Der Modus gilt je Region und nicht automatisch für andere Regionen. Ob bei Cross-Region-Anfragen die Einstellung der Quell- oder der Zielregion zählt, haben wir in der Dokumentation nicht gefunden; das sollte AWS beantworten. Einige Modelle verlangen mehr:
Modellabhängig: Bei Claude Fable 5 und 5.1 speichert AWS laut Dokumentation zur Missbrauchserkennung den gesamten Verkehr bis zu 30 Tage und kann markierte Inhalte von Menschen prüfen lassen; ohne den Modus aws_review sind diese Modelle nicht nutzbar, Ausnahmen gibt es für berechtigte Kunden eines AWS-Programms bis Ende 2026. Bei den meisten OpenAI-Modellen wird vom Klassifikator markierter Verkehr bis zu 30 Tage aufbewahrt; berechtigte Kunden können über ihr AWS-Team volle Null-Speicherung beantragen. Mit Cross-Region-Inferenz liegen solche Daten in der Zielregion. Ein EU-Profil hält sie innerhalb der Profil-Liste, ein globales nicht.
Wer eine Region mit den höchsten Anforderungen braucht, kann die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg prüfen. Dort läuft Inferenz in-Region in eusc-de-east-1, die Modellauswahl ist aber klein: AWS kündigte im September 2026 Gemma 4 als erste Familie mit offenen Gewichten an. Eine vollständige aktuelle Modellliste sollte das Team direkt in der dortigen Dokumentation prüfen.
Was der Regionsnachweis rechtlich nicht ersetzt
Ein EU-Profil ist ein technischer Baustein und kein DSGVO-Nachweis. Es begrenzt den Verarbeitungsort, die folgenden Prüfungen bleiben:
| Prüfpunkt | Frage | Zuständig |
|---|---|---|
| Auftragsverarbeitung, Art. 28 DSGVO | Ist der Vertrag mit AWS geschlossen, und welche Modellbedingungen gelten zusätzlich? Modellanbieter erhalten laut AWS keine Prompts. | Recht, Datenschutz |
| Drittlandtransfer, Art. 44 ff. DSGVO | Wie bewerten wir AWS als US-Konzern, globale Profile und Ziele außerhalb der EU wie Zürich und London? | Datenschutz |
| Sicherheit, Art. 32 DSGVO | Sind Service Control Policy, Protokollierung und Zugriffsrechte gesetzt und nachweisbar? | Plattformteam |
| Folgenabschätzung, Art. 35 DSGVO | Verlangt der konkrete Einsatz mit dieser Datenart eine Datenschutz-Folgenabschätzung? | Datenschutz |
| Freigabedokument | Stehen Modell-ID, Quellregion, Zielregionen, Speichermodus und Prüfdatum darin? | Datenschutz, Plattformteam |
Eigene Prüfhilfe, Stand 7. November 2026, keine Rechtsberatung.
Wo das Thema im AWS-Angebot steht
Inferenzprofile sind die Grundlage für alles, was auf Bedrock läuft; Agenten nutzen sie ebenfalls. Nicht abgedeckt sind hier Agenten-Betrieb und Softwareentwicklung: Dafür gibt es die Beiträge zu Bedrock Managed Agents und AWS Kiro, den Überblick die Seite Amazon AWS für Unternehmen.
Pilotfragen vor dem Einsatz
- Welches Modell brauchen wir, und welche Inferenzwege bietet es aus unserer Quellregion tatsächlich?
- Welche Zielregionen liefert
GetInferenceProfile, und ist jede davon für diese Datenart freigegeben? - Sind globale Profile organisationsweit gesperrt, und funktionieren die freigegebenen Profile mit unseren Region-Sperren?
- Welcher Speichermodus gilt in jeder genutzten Region, und verlangt das Modell Aufbewahrung oder menschliche Prüfung?
- Wer prüft regelmäßig
inferenceRegionin CloudTrail, die Profillisten und die Modellkarten, und was passiert bei einer Abweichung?
Ein hypothetisches Beispiel: Ein Versicherer in Frankfurt will Schadenmeldungen klassifizieren. Das Team wählt zunächst das günstigere globale Profil. In der Freigabe fällt auf, dass Personendaten betroffen sind; es wechselt auf das EU-Profil, sperrt global.* per Richtlinie und hält die sechs Zielregionen in der Dokumentation fest. Kleine Teams kommen dafür mit einem Konto, einer Region und einer einseitigen Freigabe aus.
FAQ zu Bedrock in der EU
Bleibt die Protokollierung bei globaler Verarbeitung in Europa?
CloudWatch und CloudTrail schreiben laut AWS in die Quellregion. Das sagt aber nichts darüber, wo das Modell die Anfrage verarbeitet hat. Dafür steht das Feld inferenceRegion im Protokolleintrag.
Reicht ein EU-Profil für die DSGVO?
Nein. Es begrenzt nach Prüfung der Zielregionen den Verarbeitungsort. Rechtsgrundlage und die Prüfungen aus der Tabelle oben ersetzt es nicht.
Fazit: Freigaben brauchen eine Modell-ID
Bedrock bietet die Werkzeuge für eine belastbare EU-Verarbeitung, setzt sie aber nicht von selbst durch. Die Kontrolle liegt in der Modell-ID, der Region-Sperre und im Protokoll. Das ist technisch überschaubar, braucht aber eine wiederkehrende Prüfung, weil globale Profile wachsen, neue Profile hinzukommen und Modellregeln sich ändern können.
Die nächste Entscheidung: Sperrt Ihre Organisation globale Bedrock-Profile standardmäßig, oder gibt es dafür eine begründete Ausnahme?
Quellen
AWS-Dokumentation (abgerufen am 7. November 2026)
- Cross-Region Inference, Geographic, Global
- Supported Regions and models for inference profiles
- Data protection, Data retention, Abuse detection
- Modellkarten: Nova 2 Lite, Claude Sonnet 5.5, Mistral Large 3, Grok 4.7
AWS-Blog
- AWS Security Blog: Open-Weight-Modelle in der European Sovereign Cloud, 17. September 2026




